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100 Jahre Otto Ebeling Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Firma Otto Ebeling habe ich mich entschlossen, eine Jubiläumsbroschüre herauszugeben. Bei dieser Gelegenheit will ich nicht versäumen, meinen Mitarbeitern für die oft langjährige und gute Zusammenarbeit zu denken.
Unsere Firma besteht bereits seit 1885 als reines Familienunternehmen, nunmehr in der dritten Generation. Mein Großvater gründete 1885 im damaligen Charlottenburg die Firma Papierhandlung, Mal- und Zeichenutensilien Otto Ebeling in Berlin 62, Kurfürstenstraße 120/121. Ende der zwanziger Jahre übernahm dann mein Vater die Geschäftsführung. Die Firma, in der mehr als 25 Mitarbeiter beschäftigt waren, teilte sich in eine luxuriöse Schreibwarenabteilung und in einen Bereich für Mal- und Zeichenbedarf. Zu den Kunden gehörten neben namhaften Künstlern, wie Max Pechstein, Rene Sintenis, Janne Mammen, der Vater von Pasternack, um nur einige zu nennen, auch Schauspieler wie Paul Kemp, Otto Gebühr. Thea von Harbou u.a.Gleich nach Beendigung meiner Lehre als Einzelhandelskaufmann wurde ich noch 1941 zum Militärdienst eingezogen. Am 23. November 1943 verlor ich bei einem Bombenangriff auf Berli8n meine Eltern und fast alle Familienangehörigen.
In der gleichen Nacht wurden sowohl die Geschäftsräume als auch der Hausbesitz meiner Familie vollständig zerstört. Ich kam im Herbst 1944 schwer verwundet aus Russland nach Berlin zurück.Trotz meiner Verletzungen und fast ohne Mittel fing ich 1945 an, die Firma wieder aufzubauen. Mein erstes Unternehmen begann ich in den Räumen einer Tischlerei in der Augsburger Straße. Der Versuch war von kurzer Dauer, denn der eigentliche Besitzer kehrte aus der Kriegsgefangenschaft zurück.
Mein zweiter Versuch hatte dann mehr Erfolg. Ich mietete einen kleinen Laden in der Wormser Straße, nahe der heutigen Lietzenburger Straße, und begann mit drei Angestellten. Das Angebot war kümmerlich, Neben den wenigen Papieren und Stiften wurden handgeschnitzte Buchstützen, Leuchter und handgemalte Glückwunschkarten verkauft. Die Waren transportierten wir mit einer Karre oder im Rucksack. In den Wintermonaten musste Kohle schwarz gekauft werden. Der Laden wurde geschlossen, sobald die Dunkelheit hereinbrach, denn Strom gab es nur für wenige Stunden am Tage. Verkauft wurde mit abgeschnittenen Handschuhen, damit die Finger frei waren, was aber Erfrierungen an den Händen nicht ausschloss. Die Räume wurden notdürftig mit Karbidlampen erhellt. Inmitten der Trümmer, am U-Bahnhof Wittenbergplatz, stand ein Schild und wies auf unser Geschäft hin. Ich musste 1959 im Zuge der Stadtplanung den Laden in der Wormser Straße aufgeben. Wir bezogen unsere jetzigen Geschäftsräume in der Fuggerstraße 43/45. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich in den folgenden Jahren das Geschäft weiter ausgebaut und vergrößert. Neben Schulen und Bezirksämtern, Grafikern, Werbeagenturen und Architekten zählen auch die jungen Maler der Stadt zu unseren Kunden. Und heute noch kommen zu uns Künstler, die ihre Materialien schon als Stundenten von meinem Vater oder Großvater gekauft haben. Das Angebot hat sich, soweit es die Malmaterialien betrifft, seit Gründung der Firma wenig verändert. Lediglich auf dem Gebiet der Farben gab es einige Neuerungen, so z.B. die Propagierung der Acrylfarben. Bei klassischem Material (Radierwerkzeug u.ä.) ist eher ein Rückgang im Angebot festzustellen, der mit einer wesentlichen Minderung der Qualität einhergeht. Das Sortiment in Graphischen und technischen Sektor erweiterte sich ständig und ist mitunter kaum noch zu übersehen. Aber auch völlig neuen Produkten, die auf dem Markt erschienen, haben wir uns nicht verschlossen.
Joachim Otto Ebeling
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